Offroad durch Katalonien: Jeep Wrangler

Nun, ich würde lügen, wenn ich sage, dass unser Jeep Wrangler JK mein Favorit unter den Autos ist, die wir besitzen. Ich gebe zu, ich habe bereits mehrmals darüber nachgedacht, den Wrangler zu verkaufen. Wenn ich den JK beschreiben müsste, würde ich definitiv sagen, dass es eines der unvernünftigsten Autos in unserer Flotte ist. (Das hört man sicherlich selten von jemandem, der auch einen 1967 Chevrolet C20 Pick-up sein Eigen nennt, der etwa 100l auf 100km verbraucht). Lass mich kurz erläutern, was mich an ihm stört.

  1. Es ist das Auto mit dem schlechtesten Handling, das ich je gefahren habe! (Ja, schlechter als der 67er C20). Ich habe ein paar Modifikationen am Fahrwerk vorgenommen und gehofft, dass es besser wird. Naja, wie heißt es so schön, eine Kuh wird auch mit Sattel nicht zum Rennpferd.
  2. Es ist ein Zwei-Türer, mir ist bewusst, dass dieser Punkt sicher nicht auf alle Wrangler zutrifft, denn beim JK gab es zum ersten Mal auch serienmäßig den „Unlimited“ mit vier Türen. Clevere Namenswahl, Chrysler. Allerdings verstehen den wahren Hintergrund der Namensbedeutung nur Zwei-Türer-Wrangler-Leidensgenossen. Denn der Platz im Innenraum ist wirklich „Limited“.
  3. Die Ersatzteile und Zubehörteile sind quasi vergoldet. Ohne Witz, hier in Europa befinden sich die Preise für Wrangler-Ersatzteile fast auf Porsche-Niveau, und das will schon etwas heißen. Bei Porsche stimmt wenigstens Preis-Leistung, was man bei Jeep nicht gerade behaupten kann. Meiner Vermutung nach könnte das damit zusammenhängen, dass der Grundpreis vom Wrangler hier in Europa schon sehr hoch ist und auch nicht große Stückzahlen verkauft werden. Was einen Teileimport aus den USA deutlich unwirtschaftlicher macht.
  4. Der 2.8L CRD Dieselmotor, vielleicht wurde aus gutem Grund der US-Markt von diesem Spaghetti-Diesel verschont. Ich will dem Motor jetzt nicht zu schlecht reden, im Grunde ist es ein sehr solides Triebwerk vom italienischen Dieselspezialisten VM Motori. VM Motori hat wirklich schon sehr lange Erfahrung in der Produktion von Dieselmotoren, nicht nur für den Automobilbereich, sondern auch im Industriellen. Ich könnte einiges zum Thema Diesel erzählen, aber das hebe ich mir für einen anderen Artikel auf. Was eigentlich mein Problem mit dem Motor ist: Er hat über 300.000 km auf dem Buckel, und jeder, der einen modernen Diesel mit so einer Laufleistung kennt, weiß, von welchen Problemen ich rede. Es reichen drei Buchstaben aus: EGR. Nebenbei hat der Motor auch noch, aus welchen Gründen auch immer, einen Zahnriemen, der alle 200.000 km! gewechselt werden muss. Ja, ich konnte es auch nicht glauben.

Wenn ihr euch nach diesen 4 Gründen auch fragt, was für ein Masochist ich doch bin und warum ich die Gurke nicht schon längst verschrotten lassen habe, dann habe ich für euch hier die Erklärung.

Der Wrangler ist einfach Kult, und das kann man nur noch von wenigen Autos heutzutage behaupten. Nachdem der Land Rover Defender durch seinen weichgewaschenen Yuppie-Enkel ersetzt worden ist, werden sie doch langsam rar, die markigen Geländewagen, die aussehen, als ob man wirklich mit ihnen bis ans Ende der Welt fahren kann und nicht nur die Kinder zur Schule oder zum Fußballspiel. Der Wrangler beherrscht einfach Offroad perfekt. Wenn man in ihm sitzt, gibt es nur wenige Grenzen.

Genau das haben wir auf unseren neuen Abenteuern mal wieder 100% ausgenutzt. Seit Januar dieses Jahres haben wir einen kleinen Homeexchange gemacht und unsere Wohnung in Deutschland gegen eine an der spanischen Mittelmeerküste getauscht. Ich war schon vorher in Spanien gewesen, aber diesmal habe ich drei Monate Zeit, Land und Kultur näher kennenzulernen. Schon bei meinen letzten Besuchen war ich begeistert von dem trockenen Klima. Die Natur ist sehr mediterran geprägt, ebenso die Architektur. Obwohl ich nicht unbedingt ein Fan von großer Hitze bin, gefällt mir die Ästhetik der trockenen Fauna und Flora.

Die Hitze ist allerdings für uns kein Problem, denn wir sind im Winter hier, wo angenehme 15°C herrschen. Freunde des alten Gemäuers kommen hier auch voll auf ihre Kosten, es gibt unzählige alte verfallene und zum Teil renovierte Burgen, die zum Erkunden einladen. Für mich ist es an solchen Orten wirklich unvorstellbar, dass die Menschen schon damals solche Monumente errichtet haben. Wir im 21. Jahrhundert sehen uns häufig als so immens entwickelt und allwissend dank KI und dem Internet. Das macht es für mich aber nur noch schwerer vorstellbar, dass auch ohne diese Dinge die Menschen solche Bauwerke vollenden konnten.

Etwas, was mich schon in den USA verblüfft hat und was ich so gar nicht aus meiner Heimat kannte, ist die Organisation der Naturparks. Ich kenne aus Deutschland nur diese zwei Arten: Entweder oder. Entweder der Naturpark ist extrem reguliert, es wohnt niemand dort, es gibt durchgeplante Wanderrouten mit befestigten Wegen, alles, was keine Füße hat, ist verboten, und wehe dem, der den Weg verlässt. Oder es steht einfach nur ein Schild „Naturschutzgebiet“ im Wald, und das war’s. Hier läuft es etwas anders, es gibt vereinzelt kleine Häuser oder Haciendas, die traditionelle Landwirtschaft betreiben, es gibt viele Pfade und kleine Wege, die nicht immer super ausgebaut sind, was die Wanderung aber dadurch erst zu einem Abenteuer macht. Außerdem gibt es explizite Wege, die man mit einem geeigneten Auto befahren darf.

Die Betonung hierbei liegt definitiv auf „geeignet“. Naja, wem alles egal ist, macht das auch im Fiat Cinquecento, aber wenn es Spaß machen soll, der sollte schon mit einem etwas offroadfähigen Fahrzeug antreten. Genau da kommt unser Wrangler wieder ins Spiel. Zum Glück hatte es ein paar Tage vorher geregnet, so waren die Wege nicht staubig, sondern übersät von Pfützen. Während die Wochenend-Lackpolierer allein bei dem Gedanken graue Haare bekommen, freut man sich als Offroad-Besitzer, und genau da liegt der springende Punkt.

Jetzt denkt ihr euch, der Typ behält die Kiste nur, um durch Pfützen zu ballern? Nein! Es geht einfach darum, welches Gefühl man hat, wenn man am Steuer eines Autos sitzt. Das Gefühl, am Steuer eines richtigen Offroad-Fahrzeugs wie meinem Wrangler zu sitzen, ist einfach eine Art der Entschleunigung und Unbekümmertheit. Wenn ich hinter dem Steuer meines Wranglers sitze, wird für mich jeder Weg zum Abenteuer, ob es nun nur zum Supermarkt geht oder ins katalanische Hinterland, und genau deswegen kann ich auch getrost über seine kleinen Macken hinwegsehen.“

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